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Die Zukunft des Sozialstaats

Foto: Getty Images (AleksandarNakic)

Deutschland landet im Ranking der Rentensysteme von 75 Staaten auf Platz 14

Wer hat das beste Rentensystem?

Im weltweiten Vergleich der Rentensysteme von 75 Staaten landet Deutschland auf Rang 14. Allerdings bedeutet das keinesfalls, dass das System zukunftsfest ist. Vielmehr krankt es an der gleichen Unwucht wie die Altersversorgung in den meisten anderen untersuchten Staaten.

Von Isabel Link

Kinder haben kein Wahlrecht, Rentner schon. Unter anderem deshalb stehen politische Entscheidungen zugunsten Älterer hoch im Kurs. Das zeigt sich nicht nur in Deutschland, sondern weltweit, besonders beim Blick auf die Rentensysteme: Die Autoren des Allianz Global Pension Report sehen in den jüngsten Ergebnissen ihres Rentensystem-Rankings Indizien dafür, dass fast überall das Wohl der aktuellen Rentner im Fokus der politischen Entscheider steht und nicht jenes nachfolgender Steuer- und Abgabenzahler.

Insgesamt berücksichtigt der Index 40 Parameter in drei Kategorien. Besonders gut kommen in der Gesamtwertung nord­europäische Staaten weg (Grafik): Das beste Rentensystem haben laut Allianz Research die Dänen, gefolgt von den Niederländern und Schweden, die sich Platz 2 teilen.

Aufschlussreicher sind allerdings die drei Teilbereiche:

Grundbedingungen:
Diese Kategorie schaut auf die Ausprägung des demografischen Wandels, die Staatsverschuldung und den durchschnittlichen Lebensstandard im jeweiligen Land.

Resilienz:
Der Bereich fokussiert auf die Frage, wie zukunftsfähig das jeweilige Rentensystem hinsichtlich der demografischen Entwicklung ist.

Rentenhöhe:
Die dritte Kategorie setzt die Leistungshöhe des Rentensystems ins Verhältnis zum vorherigen Einkommen der Rentner.

Rentensysteme: Deutschland fernab der Spitze

Allianz Research hat die Rentensysteme von insgesamt 75 Staaten im Jahr 2023 anhand von 40 Parametern und in drei Unterkategorien auf einer Skala von 1 (besonders gut) bis 7 (besonders schlecht) bewertet.

Grundbedingungen: demografischer Wandel, Staatsverschuldung u. durchschnittl. Lebensstandard im jeweiligen Land

Resilienz: Zukunftsfähigkeit des Rentensystems mit Blick auf den demografischen Wandel

Rentenhöhe: Leistungshöhe des Rentensystems im Vergleich zum vorherigen Einkommen der Rentenempfänger

Quelle: Allianz Research | © 2024 IW Medien / iwd

Relativ schlecht der Indexwert liegt hier bei 3,9 Punkten auf einer Skala von 1 (sehr gut) bis 7 (sehr schlecht) – sind demnach die Grundbedingungen in Deutschland; nur etwas besser steht es um die Resilienz.

Rentensysteme mit zwei Säulen sind besonders zukunftssicher

Den besten Wert in einer Unterkategorie gibt es für Deutschland mit 2,8 für die Rentenhöhe. Doch auch hier ist die Welt­spitze weit entfernt: Mit 1,4 und 1,7 Indexpunkten stehen Dänemark und die Niederlande bei der Rentenhöhe deutlich besser da als das deutsche System.

Interessant dabei: In den Niederlanden gibt es zum Beispiel nur eine „Grundrente“ während das, was hierzulande unter „Lebensstandardsicherung“ diskutiert wird, weitgehend über kapitalgedeckte betriebliche und private Sicherungssysteme erreicht wird. Generell finden sich an der Spitze Staaten, die neben einer umlagefinanzierten Grundversorgung auf eine umfassende kapitalgedeckte Säule setzen.

Verständlich:
Der demografische Wandel in einem Land hat bei einer kapitalgedeckten Versicherung keinen Einfluss auf die Rentenhöhe.

Kernaussagen in Kürze:
Im Ranking der Rentensysteme von 75 Staaten landet Deutschland auf Platz 14. Das beste Rentensystem haben laut dem Ranking die Dänen, gefolgt von den Niederländern und Schweden, die sich Platz zwei teilen. Generell gelten jene Rentensysteme, die kapitalgedeckte und umlagefinanzierte Elemente verbinden, als besonders zukunftssicher.