Verbandswelt

On Air: Moderatoren wie Karsten Löwe begleiten die Hörerinnen und Hörer durch den Tag.

Fotos (4): Chris Gossmann

Immer mitten im Geschehen: Programmchefin Marie Knoblauch-Grzibek

Die Stimme der Region: Wie Radio38 Heimat hörbar macht

Seit fünfzehn Jahren erhalten auch in Niedersachsen lokal begrenzte Privatradios eine Sendelizenz. Für die Hörer ein Gewinn, denn die kleinen Sender füllen eine Lücke zwischen Öffentlich-Rechtlichen, landesweiten Privatsendern und Bürgerfunk. Ein Besuch bei Radio38, dem Lokalsender für die Region zwischen Harz und Heide.

Von Isabel Link

In zehn Jahren hat Radio38 es weit gebracht. An einer Pinnwand im Büro des Braunschweiger Privatradiosenders hängen Postkarten von Hörern, übermitteln Grüße aus Malaga, Rom und Santorini. Daneben sind Briefe aus England und Argen­tinien gepinnt, von Auswanderern, die sich freuen, sich via Internetradio mit Radio38 ein Stück Heimat in die Fremde­ holen zu können. Doch so schön die Grüße aus aller Welt auch sind, stolz ist das Team von Radio38 vor allem darauf, was es vor Ort erreicht hat. Jeden Tag versorgt der Sender seine Hörer mit Musik, Nachrichten, Veranstaltungstipps, Verkehrsmeldungen und allem, was sonst noch wichtig ist in dem Gebiet zwischen Wolfsburg, Gifhorn und dem Harz. »Wir sind die Stimme der Region. Und das leben wir auch«, sagt Cara Pernak, Geschäftsführerin von Radio38.

Gegründet wurde Radio38 im Jahr 2015 fünf Jahre, nachdem Niedersachsen sein Landesmediengesetz novelliert und damit als letztes Bundesland den Weg für kommerzielle Lokal­radios freigemacht hat. Denn bis dahin erhielten in Niedersachsen neben den Öffentlich-Rechtlichen nur landesweite Privat­radios und staatlich geförderte Bürgersender eine Sende­lizenz. Marktwirtschaftlich betrachtet, treten lokale Privat­radios natürlich in Konkurrenz zu den teilweise seit Jahrzehnten bestehenden Sendern, doch aus Hörersicht füllen sie eine Lücke. So auch Radio38. »Wir erzählen die Geschichten, die vor der eigenen Haustür passieren«, sagt Pernak. Während man bei den überregionalen Sendern Nachrichten aus teilweise weit entfernten Gebieten hört, konzentriert Radio38 sich auf das, was für die Menschen in der Region wichtig ist: Veranstaltungen, Baustellen, lokale Sportnachrichten, Interessantes aus Vereinen und Unternehmen. »Ziel ist es, den Menschen ein Gefühl von Heimat und Verbundenheit mit ihrer Region zu geben«, sagt Pernak. »Uns interessiert, was direkt vor der Haustür passiert – nicht, ob in Hamburg ein Stau im Elbtunnel ist.«

Voller Ideen: Cara Pernak ist seit Juli 2024 Geschäftsführerin und hat viel vor mit Radio38.

gut gelaunt und informiert in den Tag

Mit dieser Mischung hat sich Radio38 längst einen festen Platz in der lokalen Medienlandschaft gesichert, mehrere Zehntausend Menschen schalten durchschnittlich in der Stunde ein. »Wir senden werktags von 5 bis 19 Uhr live«, erklärt Programmchefin Marie Knoblauch-Grzibek. Zur vollen Stunde liefert die dpa die bundesweiten Nachrichten, zur halben Stunde folgen die eigenen Regionalnachrichten aus der Redaktion. Danach übernimmt bis zum frühen Morgen ein automatisiertes Musikprogramm, in dem stündlich aktuelle Weltnachrichten laufen. Musikalisch setzt der Sender auf einen abwechslungsreichen Mix aus 80ern, 90ern, 2000ern und aktuellen Hits. Dabei achtet die Musikredaktion auf eine ausgewogene Dramaturgie, passende Übergänge und Titel, die sich an den Hör­gewohn­heiten der Region orientieren. »Wir versuchen, einen Mix zu schaffen, der die Leute abholt, ohne sie zu ermüden«, sagt Knoblauch-Grzibek.

Wie bei allen anderen Radiosendern ist auch bei Radio38 die wichtigste Sendung die Morgenshow, denn beim Frühstück und auf dem Weg zur Arbeit wird das Radio am häufigsten eingeschaltet. Für diese Sendung gilt ein besonderer Leitgedanke: »Wir wollen die Menschen gut gelaunt und informiert in den Tag schicken, deshalb geht es in unserem Morgenprogramm vor allem um Orientierung, Service und ein gutes Gefühl«, sagt Knoblauch-Grzibek. »Ernstere Themen besprechen wir eher in den Nachmittags- und Abendstunden.«

Urlaubsgrüße: Die Redaktion bekommt viel Post von ihren Hörern.

Mit Lokaler Radiowerbung Azubis finden

Seit Cara Pernak im Juli 2024 die Geschäftsführung übernommen hat, ist das Team von Radio38 spürbar gewachsen. Rund 20 Festangestellte arbeiten im Sender, der Großteil in der ­Redaktion. Aber auch im Backoffice sind viele neue Gesichter dazugekommen. »Als ich hier angefangen habe, waren wir im Vertrieb nur zu zweit«, erinnert sie sich. Heute kümmern sich sechs festangestellte Mitarbeiter um die Partner und Werbekunden. Derzeit ein herausfordernder Job, denn der Sender finanziert sich allein durch Werbung ein Modell, das gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Flexibilität erfordert. »Natürlich spüren auch wir, dass die Unternehmen insgesamt zurückhaltender sind«, sagt Pernak. »Aber Radiowerbung hat in der Region nach wie vor einen hohen Stellenwert.« Deshalb sind die Stärkung der Sichtbarkeit des Senders in der Region und die Entwicklung neuer Produkte im Werbebereich zwei wesentliche Ziele, die sich Pernak gesetzt hat. Und sie kann bereits einiges vorweisen: Mit neuen Formaten wie »Expertenstunden« und einen deutlich ausgeweiteten Sponsoringangebot bietet Radio38 Unter­nehmen die Möglichkeit, sich über klassische Spots hinaus zu präsentieren, zum Beispiel für Recruiting-Kampagnen oder die Suche nach Auszubildenden.

Auch innerhalb des Teams spielt die Weiterentwicklung eine große Rolle. Gerade absolviert die Redaktion eine einjährige KI-Fortbildung, deren Ziel es ist, die Potenziale künstlicher Intelli­genz sinnvoll zu nutzen, ohne den journalistischen Kern aus den Augen zu verlieren. »KI kann uns bei der Themenrecherche unterstützen oder bei der Musikplanung helfen«, erklärt Pernak. »Aber sie wird niemals die Arbeit eines guten Journalisten ersetzen.« Denn in Zeiten, in denen es immer schwieriger wird, echte Nachrichten von Fake News zu unterscheiden, sieht Radio38 seine Kernaufgabe auch darin, verlässliche Informationen zu liefern: »Bei uns arbeiten ausgebildete Journalisten, die recherchieren und prüfen, bevor sie senden«, betont Pernak. »Das Vertrauen der Hörerinnen und Hörer ist unser größtes Kapital.«

Mit diesem Anspruch hat sich Radio38 in der Region einen ­Na­men gemacht: Als Sender, der nah an den Menschen, ihren Geschichten und Bedürfnissen ist. »Wir wollen den Menschen in der Region eine Stimme geben«, sagt Knoblauch-Grzibek. »Wenn uns das gelingt, dann machen wir unseren Job genau richtig.«