Arbeitswelt

Hej: Kerstin Rose (l.) und Deniz Süre sind bei IKEA Großburgwedel die Ansprechpartner für Businesskunden.

Foto: Marcus Prell

Business mit Billy

Ob WG-Zimmer, Wohnung oder Einfamilienhaus: Wer sich neu einrichten will, steuert meist erstmal die blau-gelben Möbelhäuser von IKEA an. Aber der schwedische Einrichtungskonzern kann mehr und will mit seinem Geschäfts­kundenservice »IKEA für Unternehmen« den Büromöbelmarkt aufmischen.

Von Isabel Link

In Deutschland gibt es etwa 41 Millionen Privathaushalte, und in zwei von dreien steht mindestens ein Möbelstück von IKEA. Die YouGov-Umfrage, die zu diesem Ergebnis gekommen ist, ist zwar schon einige Jahre alt, aber an ihrer Gültigkeit dürfte sich nichts geändert haben. Denn der vergleichsweise preiswerte Scandi-Schick im Do it yourself-Konzept überzeugt die Deutschen seit mittlerweile 52 Jahren. Was viele jedoch nicht wissen: Die Einrichtungskette aus Schweden setzt neben der »Wohnst du noch oder lebst du schon«-Zielgruppe verstärkt auch auf Business-Kunden. Unter dem Markennamen »IKEA für Unternehmen« bietet IKEA ein stetig wachsendes Produktportfolio speziell für die Ausstattung von Büros sowie spezielle Dienstleistungen für Unternehmen an und erschließt sich damit einen Markt, der seit Jahren kontinuierlich wächst.

Grundsätzlich ist das Konzept nicht neu. Bereits seit 1988 gibt es bei IKEA Angebote für Geschäftskunden, damals noch unter dem Namen »Contract«. Doch erst in den vergangenen Jahren ist das Segment in der Unternehmensstrategie von IKEA wieder in den Fokus gerückt. »Hintergrund sind die Veränderungen in der Arbeitswelt seit der Corona-Pandemie«, sagt Deniz Süre, Business Leader bei IKEA in Großburgwedel. »Die Strukturen haben sich verändert und Home-Office ist in vielen Unternehmen fester Bestandteil der Arbeitskultur geworden.«

Interieur Designer und ein kostenloses Heißgetränk

IKEA reagiert darauf mit einer deutlichen Ausweitung seines Portfolios und neuer Angebote für Geschäftskunden. In einem schmucken Show-Büro inmitten der klassischen IKEA-Verkaufsfläche empfangen Süre und seine Kollegin Kerstin Rose Unternehmer und alle, die sich für die Business-Sparte interessieren. Dort kann man sich nicht nur anschauen, wie ein Office im IKEA-Stil aussehen könnte, sondern man erhält auch Informationen über die begleitenden Angebote wie die Bezahl­karte und das Vorteilsprogramm IKEA Business Network. »Ähnlich wie die Inhaber der Family Card im Privatkundenbereich gibt es für Mitglieder des Netzwerks Vergünstigungen, Punkte und spezielle Dienstleistungen«, sagt Süre.

Natürlich ist das beliebte, kostenlose Heißgetränk im IKEA-­Restaurant dabei. Aber auch ein Bezahlkarten-System, das sich stark an gängigen Kreditlösungen orientiert: Geschäftskunden erhalten einen individuell festgelegten Kreditrahmen, über den sie ihre Einkäufe flexibel abwickeln und zeitnah begleichen können. »Das ist gerade für kleinere und mittelständische Betriebe, die oft ohne große Einkaufsabteilungen arbeiten, ein spürbarer Vorteil. Sie haben weniger Verwaltungsaufwand, die Möbel sind schnell beschafft und trotzdem haben sie die volle Kostenkontrolle«, sagt Süre.

Foto: Marcus Prell

»Viele wissen gar nicht, dass IKEA auch im B2B-Bereich aktiv ist«

Dietmar Weitze,
Niederlassungsleiter von IKEA Großburgwedel

Das Angebot ist professioneller geworden

Einen wesentlichen Unterschied zum Privatkunden gibt es aller­dings: Der Unternehmenskunde muss die Büro-Möbel nicht selbst aufbauen. Nicht einmal planen muss er die Einrichtung des Büros, wenn er nicht möchte. Dafür hält IKEA Interior-­Designer vor, die zum Kunden kommen und das neue Chefbüro oder die Großraum-Arbeitsfläche bis zur »FEJKA«-Topfpflanze durchplanen, falls gewünscht. Während der Einrichtungsservice remote oder im Studio stattfindet, ist der Geschäftskundenberater beim Kunden vor Ort, nimmt die Wünsche auf und gibt erste Empfehlungen. »Viele Geschäftskunden haben schlicht nicht die Zeit, sich selbst um die Gestaltung ihrer Räume zu kümmern. Also schauen wir, wie wir ihren Bedarf am besten decken können. Ganz gleich, ob es um einen Konferenzraum geht oder ein Hotelzimmer«, sagt Dietmar Weitze, Niederlassungsleiter von IKEA Großburgwedel.

Klassische Büromöbel sind im IKEA-Sortiment zwar schon lange­ zu finden, aber mit der Neukonzeption der Business-Sparte ist das Angebot nicht nur umfangreicher, sondern auch professioneller geworden. »Früher waren wir da noch etwas rudimentär unterwegs«, sagt Weitze. Heute spielen Themen wie Akustik, Ergonomie und integrierte Technik eine deutlich größere Rolle. Und so gibt es nicht nur mehrere Varianten höhenverstellbarer Schreibtische, sondern auch Register-Schränke und sogar Akustik-Paneele. Die Impulse dafür kommen nicht nur aus der Zentrale in Schweden, sondern auch aus der Praxis. »Wir geben Feedback weiter, was unsere Kunden brauchen«, sagt Süre. So entstehen nach und nach neue Produkte und ganze Serien, die sowohl im Büro als auch im privaten Arbeitszimmer funktionieren.

So könnte Ihr neuer Arbeitsplatz aussehen: Kerstin Rose zeigt, wie sich das IKEA-Sortiment für Büros verändert hat.

Foto: Marcus Prell

IKEA für Unternehmen? Kenn‘ ich (noch) nicht

Hier kommt IKEA sein Geschäftskonzept zugute. Denn durch die standardisierte Produktpalette kann das Unternehmen auch für Office-Lösungen vergleichsweise günstige Preise anbieten. »Die meisten Möbelhändler im Office-Bereich fertigen individuell oder produzieren nach Auftrag. Wir hingegen haben die Ware auf Lager und der Kunde kann vieles direkt mitnehmen oder bekommt es zeitnah geliefert«, sagt Süre. Vor allem während der Corona-Pandemie, als von einem Tag auf den anderen Tausende Menschen im Homeoffice arbeiten mussten, erwies sich das als enormer Vorteil: »Viele Unternehmen und Selbstständige griffen damals auf IKEA zurück und sind uns seitdem treu«, ergänzt Weitze.

Dennoch bleibt die Bekanntheit der Business-Sparte die größte Herausforderung. »Viele wissen gar nicht, dass IKEA auch im B2B-Bereich aktiv ist«, sagt Weitze. Noch ist der Bereich »IKEA für Unternehmen« ein relativ kleiner Teil des IKEA Geschäfts. Aber das Potenzial ist da. Ebenso wie das Wachstum. Seit ­Deniz Süre 2024 als Business Leader bei IKEA Großburg­wedel gestartet ist und den Geschäftskundenservice »IKEA für Unternehmen« mit Engagement und Herzblut in die regionale Wirtschaft trägt, sind die Zahlen deutlich auf Wachstumskurs. Für Weitze ein klares Zeichen, dass der Möbelkonzern die richtige Richtung eingeschlagen hat. »Auf dem Büromöbelmarkt gibt es noch viel Potenzial zu heben.« Und möglicherweise gehören bald auch in zwei von drei deutschen Büros MITTZON, GALANT und Co. zur festen Ausstattung dazu.