Arbeitswelt

Gutes Team: Kira Eilhauer, Enkelin des Firmengründers und Gesellschafterin, mit Geschäftsführer Jens Kuhlmann.

Foto: Marcus Prell

»Wir sind breit genug aufgestellt, um Konjunkturzyklen einzelner Branchen abzufedern.«

Jens Kuhlmann

Nicht von der Stange

Die Eilhauer Maschinenbau GmbH in Hannover-Langen­hagen ist seit über 80 Jahren eine feste Größe im Sondermaschinenbau. Ob Waschanlage für Container oder Erntemaschine für Hanfpflanzen was möglich ist, wird möglich gemacht.

Von Isabel Link

Eilhauer auf der IdeenExpo 2026

Die Eilhauer Maschinenbau GmbH ist spezialisiert auf Sondermaschinenbau, Schweißbaugruppen und Zerspanung. Rund 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten in den Werkshallen im Industriegebiet von Hannover-Langenhagen und fertigen nach Kundenvorgaben individuelle Maschinen auf Basis von Ideen, Skizzen und Lastenheften. In diesem Jahr sind sie erstmals bei der IdeenExpo, Europas größtem MINT-Event für Jugendliche, dabei und werben vom 20. bis 28. Juni auf dem hannoverschen Messegelände für sich und ihre Ausbildungsberufe Feinwerk­mechaniker und Technische Produktdesigner.

Blaues Licht flackert in einem riesigen Stahlkasten mitten in der Montagehalle. Andreas Reil, Vorarbeiter der Schweißerei, schweißt noch einige Bauteile fest, bevor das Rolltor eingesetzt wird. Denn was momentan noch aussieht wie ein Kiosk mit Trichteröffnung, ist der Körper einer Waschanlage für Sondermüll-Container, die ein Kunde bei der Firma Eilhauer Maschinenbau GmbH in Auftrag gegeben hat. Das Familienunternehmen in Langenhagen im Norden von Hannover steht seit über 80 Jahren für hochwertigen Sondermaschinenbau. Ob Produktionsanlagen für einen bekannten Kekshersteller, Wasserbecken für Schweißversuche an der Universität oder eine Hanf-Erntemaschine für einen Jungunternehmer: Bei Eilhauer wird nahezu alles möglich gemacht. Damit ist das Unternehmen nicht nur ein beliebter Partner bei Konzernen und Mittelständlern, sondern auch für Start-ups.

Vielfältige Produkte, vielfältige Branchen

Mehr als die Hälfte des Geschäfts von Eilhauer Maschinenbau machen schlüsselfertige Anlagen aus. Heißt, der Kunde kommt mit einem Lastenheft, einer Anforderungsliste oder einer Zeichnung und die Experten von Eilhauer übernehmen die Realisierungvon der Konstruktion und Entwicklung bis hin zu Fertigung, Montage, Installation, Inbetriebnahme und vollständiger Dokumentation. »Das ist unsere Königsdisziplin«, sagt Geschäftsführer Geschäftsführer Dr.-Ing. Jens Kuhlmann. Neben dem Anlagenbau zählen qualifiziertes Schweißen, insbesondere im Bereich großer und komplexer Bauteile, sowie die Großzerspanung zu den Kernkompetenzen des Unternehmens. Häufig greifen diese Bereiche eng ineinander. Schweißbaugruppen werden im eigenen Haus präzise weiterbearbeitet und montagefertig ausgeliefert. Die Branchen sind so vielfältig wie die Produkte. Eilhauer ist für Branchen wie die Gummi- und Kautschukindustrie, Lebensmitteltechnik, Logistik, Erdöltechnologie oder Forschungseinrichtungen tätig. Dieses breite Spektrum führt nicht nur dazu, dass die Arbeit der rund 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr abwechslungsreich ist, sondern ein stückweit auch Schutz: »Wir sind breit genug aufgestellt, um Konjunkturzyklen einzelner Branchen abzufedern«, sagt Kuhlmann.

Ursprünglich war das Unternehmen 1938 von Hans Eilhauer als Hersteller von Drahtgeweben gegründet worden, doch schon kurz nach dem Krieg verlagerte sich der Schwerpunkt auf Lohnfertigung, vor allem für Baumaschinen. In der Nachkriegszeit brauchten viele Industrieunternehmen verlässliche Partner, die präzise Einzelteile nach Zeichnung fertigen konnten. Eilhauer übernahm diese Rolle zunächst als reiner Zulieferer, der mechanische Komponenten herstellte, während Kon­struktion und Entwicklung vollständig beim Kunden lagen. Mit den Jahren wuchs jedoch nicht nur der Maschinenpark, sondern auch das Know-how im Haus, und aus der verlängerten Werkbank wurde ein Entwicklungspartner. »Der Trend geht seit Ende der 90er-Jahre klar zu schlüsselfertigen Lösungen, denn die Unternehmen wollen sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren«, erklärt Kuhlmann. Das Unternehmen fertigt aber auch weiterhin Einzelteile oder Reparaturkomponenten, wenn Kunden kurzfristig Unterstützung benötigen.

Schweißtreibend: Vorarbeiter Andreas Reil schweißt an einer Waschmaschine für Sondermüllcontainer.

Foto: Marcus Prell

Innovationskraft und ein Gefühl für Trends

Aus einer dieser Anfragen ist ein Produkt entstanden, das Eilhauer für sich selbst weiterentwickelt hat und zukünftig Kunden vor allem im eCommerce-Bereich anbieten will: der stan­dar­disierte Gurt-Schneide-Modulbaukasten für Förderbänder. »In großen Logistikzentren ist Zeit alles«, sagt Kuhlmann. Fällt ein Förderband aus, staut sich alles, dann muss schnell und präzise gehandelt werden. Besonders für Paketdienstleister ein enormes Problem. Sie beheben Förderbandrisse derzeit, indem die Mitarbeiter eine große Rolle Ersatzförderband ausrollen, ein Stück abmessen und es mit einem Cuttermesser abschneiden. »Dabei sind Verletzungsgefahr und Zeitaufwand ziemlich groß und wegen Fehlern beim Schneiden halten die Gurte häufig nicht lange.«, sagt Kuhlmann. Durch das mobile Gurt-Schneide-System lässt sich das Förderband hingegen in der gewünschten Länge sicher abtrennen und die Kanten so präparieren, dass sie perfekt passen. Zwar werde das Produkt eine Nische bleiben, doch als »Türöffner« für neue Kunden sei es strategisch wertvoll.

Innovationskraft und der Mut, Trends zu erkennen und sich immer wieder in neue Bereiche einzuarbeiten, sind nicht nur Stärken von Eilhauer in der Produktion, sondern auch ein Pluspunkt bei der Mitarbeiterbindung und -gewinnung. Ein Großteil der Angestellten ist dem Unternehmen seit Jahrzehnten treu, erst im vergangenen Jahr zeichnete Kuhlmann ein 30. und ein 45. Dienstjubiläum aus. Zudem engagiert sich der Betrieb stark im Bereich der Nachwuchsgewinnung. Eilhauer bildet Feinwerkmechaniker und seit kurzem auch Technische Produktdesigner aus und wirbt dafür unter anderem durch Kooperationen mit Schulen und Social Media.

Innovativ: Geschäftsführer Jens Kuhlmann (r.) mit Bastian Schülke am neuen Wechselbaukasten für Förderbänder.

Foto: Marcus Prell

Da sprühen die Funken: Schleifarbeiten an einem Bauteil

Foto: Marcus Prell

Auch für Studentinnen interessant

Unter anderem dafür ist Kira Eilhauer zuständig, Enkelin des Firmengründers und Gesellschafterin in dritter Generation. »Ich war kürzlich mit einem unserer Meister in einer IGS, dort haben wir Bewerbungsgespräche simuliert«, erzählt sie. »Das hilft den Jugendlichen nicht nur, sich auf spätere Bewerbungen vorzubereiten, sondern bringt sie auch in Kontakt mit uns und unserem Unternehmen.« Positiv wirkt sich zudem der enge Kontakt zu den Universitäten aus: »Wir haben oft Studen­ten für Praktika bei uns«, sagt Kuhlmann. Und obwohl der Anteil der Frauen im Maschinenbau nach wie vor gering ist, erkennt er doch einen erfreulichen Trend: »Immer mehr Ingenieursstudenten, die sich für ein Praktikum bei uns bewerben, sind weiblich.«

Mehr Infos

finden Sie im Webangebot des Unternehmens unter

eilhauer.de