Editorial

Zukunft braucht einen starken Standort

Liebe Leserinnen und Leser,

wie begeistert man junge Menschen heute eigentlich für Technik, Naturwissenschaften, Industrie oder Handwerk?
Und wie schafft man es gleichzeitig, einem Wirtschaftsstandort wieder mehr Zutrauen, Dynamik und Zukunftsoptimismus zu geben?

Mit genau diesen Fragen beschäftigt sich diese Ausgabe unseres ArbeitgeberMagazins an vielen Stellen. Denn eines wird immer deutlicher: Zukunft entsteht nicht von allein. Sie braucht Menschen, Ideen, Investitionen und einen Standort, der Innovation ermöglicht statt ausbremst.

Begeisterung für Technik und Innovation

Ein gutes Beispiel dafür ist die IdeenExpo, die 2026 ihre zehnte Auflage feiert. Was einst als ambitioniertes Nach­wuchs­projekt mit regionalem Fokus begann, ist längst Europas größtes Jugend­event für Technik und Naturwissenschaften geworden. Hätte irgendjemand dies 2007 für möglich gehalten? Wohl kaum – aber »Mach‘ doch einfach!« ist nicht umsonst die Botschaft der IdeenExpo. Auch in diesem Heft wird spürbar, welche Kraft in diesem Format steckt: wenn Unternehmen, Hochschulen, Initiativen und junge Talente zusammenkommen, um Zukunft erlebbar zu machen. Ob Robotik, KI, moderne Industrieprozesse oder kreative Ausbildungswege – etwa am Gemeinschaftsstand »Future Goals« der AGV Hannover oder bei den Projekten der Kautschuk­industrie – die IdeenExpo zeigt, dass Technologie Begei­sterung auslösen kann, wenn man sie verständlich, im wahrsten Sinne greifbar und mit Leidenschaft vermittelt.

Passend dazu sprechen wir mit Menschen, die genau das schaffen. Etwa mit dem bekannten Wissenschaftscreator Jacob Beautemps, der erklärt, warum gute Geschichten oft wichtiger sind als Hochglanzkampagnen, wenn junge Menschen für MINT-Themen begeistert werden sollen. Oder mit Kommunikations- und Marketingexperten wie Stefan Wegner von Scholz & Friends und Ulrich von dem Bruch von der Lüneburger Heide GmbH, die der Frage nachgehen, worauf es bei der erfolgreichen Vermarktung eines Standorts ankommt.

Mehr Stärke, als viele glauben

Denn auch darum geht es in diesem Heft: um das Bild eines Standorts, der wirtschaftlich stärker ist als viele glauben. Niedersachsen ist Industrieland, Forschungsstandort, Mittelstandsregion und Innovationsraum zugleich. Von der weltweit eingesetzten Audiotechnik des hannoverschen ­Unternehmens Kling & Freitag über den Sondermaschinenbauer Eilhauer bis hin zu den Teilnehmern unseres erstmalig veranstalteten Medizin-Technik-Kongresses zeigen die Geschichten dieser Ausgabe, wie viel technologische Kompetenz und Unternehmergeist in unserem Bundesland und bei unseren Mitgliedsfirmen vorhanden sind.

Auch die Porträts und Unternehmensgeschichten dieses Hefts erzählen davon: von Traditionsunternehmen wie Lenze, das seinen Transformationsprozess mit der nächsten Generation gestaltet, von IKEA, das den Büromöbelmarkt neu denkt, oder von mittelständischen Industrieunternehmen, die mit Innovationen, Präzision und Hands-on-Mentalität international erfolgreich sind. Sie alle zeigen, dass Innovation häufig dort entsteht, wo Menschen pragmatisch denken, Verantwortung übernehmen und bereit sind, neue Wege zu gehen.

Erwarten Sie mehr als einen Verband

Die Arbeitgeberverbände sind ein Zusammenschluss von 15 Arbeitgeberverbänden aus zahlreichen Branchen. Gemeinsam vertre­ten sie bundesweit mehr als 1.500 Unternehmen mit über 600.000 Beschäftigten. Dazu zählen unter anderen die ­Metall- und Elektro-­Industrie, die Kautschuk- und Kunststoff-Industrie, die Papier- und Pappeverarbeitung sowie der Bühnen- und Tribünenbau.

Der Standort unter Druck

Gleichzeitig wird aber auch deutlich: Der Standort steht unter Druck. Teure Energie und hohe Lohnnebenkosten, übermäßige Bürokratie, langsame Verfahren und wachsende Unsicherheit belasten viele Unternehmen, würgen Wachstum ab. Beim SNIW-Kamingespräch über die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschland wurde deshalb sehr klar formuliert, worauf es jetzt ankommt: mehr Innovationsfreude, bessere Rahmenbedingungen und wieder mehr Vertrauen in wirtschaftliche Dynamik.

Denn wirtschaftliche Stärke ist keine Selbstverständlichkeit. Sie muss jeden Tag neu erarbeitet werden – in Werkhallen, Entwicklungsabteilungen, Laboren und mittelständischen Betrieben. Genau dort entscheidet sich, ob Deutschland auch künftig ein wettbewerbsfähiger Industriestandort bleibt.

Mut machen statt kleinreden

Trotz aller Herausforderungen zieht sich jedoch ein Gedanke durch nahezu alle Beiträge dieses Hefts: Resignation ist keine Option. Wie wenig wäre in der Welt unternommen worden, wenn man immer nur auf den schlechtestmöglichen Ausgang spekuliert hätte? Nichts. Der Mensch ist von Natur aus aufs Gelingen fokussiert.

Viele Unternehmen investieren weiter, entwickeln neue Produkte, erschließen neue Märkte und suchen pragma­tische Lösungen. Nicht laut, nicht spektakulär, sondern mit Beharrlich­keit, technischem Know-how und einem klaren Blick nach vorn.

Genau diese Haltung macht Mut. Und genau deshalb lohnt sich der Blick auf die Menschen, Ideen und Unternehmen in dieser Ausgabe.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine inspirierende Lektüre!

Mit herzlichen Grüßen,
Ihr

Dr. Volker Schmidt
Hauptgeschäftsführer
Die Arbeitgeberverbände Hannover